Learning Curve
Quanto: Rendite ohne Wechselkursrisiko
-
Christian Ingerl
Redaktor
Schweizer Anleger haben mit zwei «chronischen» Herausforderungen zu kämpfen. Eine Bürde stellt das Niedrigzinsumfeld dar, eine andere die Franken-Stärke. An dieser Stelle können Quanto-Produkte eine Lösung sein.
Die Rendite der meisten strukturierten Anlageprodukte hängt von mehreren Variablen ab. Massgeblich sind in der Regel aber vor allem zwei Faktoren: zum einen die Entwicklung des Basiswerts und zum anderen, sofern der Basiswert auf eine Fremdwährung lautet, die Entwicklung des Wechselkurses zwischen der Valuta des Basiswerts und der Produktwährung. Nun ist es so, dass das Wechselkursrisiko von vielen Anlegern unterschätzt wird, auch was den Schweizer Franken betrifft.
In den vergangenen Jahren präsentierte er sich gegenüber den meisten Major-Währungen, wie dem US-Dollar oder dem Euro, tendenziell in starker Verfassung. Das heisst, der Schweizer Franken wertete gegenüber dem Euro oder dem US-Dollar auf. Oder anders ausgedrückt: Für einen Euro oder einen US-Dollar muss man heute deutlich weniger Franken zahlen als noch vor fünf Jahren. Doch genau diese Aufwertung der heimischen Währung gegenüber der Fremdwährung ist riskant – sie kostet Rendite.
Beispiel für Währungsrisiko
Angenommen, Anfang 2025 wurde für Schweizer Anleger ein Barrier Reverse Convertible auf den US-Tech-Giganten Apple emittiert und mit einer Laufzeit von 18 Monaten ausgestattet. Das fiktive Produkt wurde im Juni zur Rückzahlung fällig. Weiter sei unterstellt, dass das Nominal auf USD 1’000 US-Dollar lautet, der Coupon bei 8,00% p.a. fixiert wurde und ein Barriereereignis nicht stattgefunden hat. Nun zur Wechselkursentwicklung: Zur Emission des BRCs lag der USD/CHF-Kurs bei rund CHF 0,91. Zum Rückzahlungszeitpunkt stand der USD/CHF-Kurs zehn Rappen tiefer. Was bedeutet das für den Anleger?
Ernüchternde Bilanz
Für das Nominal (USD 1’000) des Produkts auf die Apple-Aktie musste man in der Zeichnungsphase rund 910 CHF zahlen. Der Coupon im Wert von 80 US-Dollar verfügte damals über einen Gegenwert von CHF 72,80. Durch die ungünstige Wechselkursentwicklung bekommt der Anleger bei Rückzahlung nur noch CHF 810 für das Nominal plus CHF 64,80 aus der Couponzahlung. Lag der Value des Produkt zur Emission bei umgerechnet CHF 972,80 (CHF 910 Nominal + CHF 72,80 Coupon), erhält der Anleger ein Jahr später bei Verfall nur noch CHF 874,80 (CHF 810 Nominal + CHF 64,80 Coupon). Die Franken-Aufwertung hat in diesem Beispiel also nicht nur die komplette Rendite des Barrier Reverse Convertible aufgefressen, sondern darüber hinaus zu einem Kapitalverlust (in CHF) geführt.
Renditeschub durch Fremdwährungen
Das zweite Problem für Schweizer Anleger besteht im aktuellen Niedrigzinsumfeld. Die Rendite für 10-jährige Bundesobligationen der Eidgenossenschaft liegt derzeit bei 0,43% pro Jahr. Der Geldmarktzins, gemessen am SARON (Swiss Average Rate Overnight) bewegt sich mit minus 0,04% sogar leicht im negativen Bereich. Um mehr Rendite ins Portfolio zu bekommen, braucht es Fremdwährungsrenditen. Bei 10-jährigen US-Staatsanleihen liegt die Rendite zum Beispiel aktuell bei 4,66% p.a. und damit deutlich höher als in der Schweiz. Da viele Strukturierte Produkte – wie Barrier Reverse Convertibles – eine Nullkupon-Obligation beinhalten, gilt: Je höher die Zinsen, umso attraktivere Produktkonditionen lassen sich darstellen. Aufgrund des höheren Zinsniveaus in den USA, bieten «Strukis» wie Barriere Reverse Convertibles auf US-Basiswerte ceteris paribus eine Möglichkeit, die Rendite aufzubessern. Auf der anderen Seite geht aber damit – wie vorher festgestellt – ein nicht zu unterschätzendes Währungsrisiko einher.
Produkte mit Währungssicherung (Quanto)
Es gibt aber auch attraktive Fremdwährungsrenditen, auf der anderen Seite besteht das Wechselkursrisiko. Eine Lösung können Produkte mit einer Wechselkurssicherung sein, die am Zusatz «Quanto» zu erkennen sind. Bei einer Quanto-Absicherung wird ein ausländischer Basiswert eins-zu-eins in der Heimatwährung des Anlegers ausgezahlt, indem der anfängliche Wechselkurs fest fixiert wird. Dadurch werden sowohl Währungsverluste (aber
auch mögliche Währungsgewinne) komplett ausgeschlossen. Allerdings gehen mit einer Quanto-Absicherung auch Teile des Zinsvorteils verloren, wie das folgende Praxisbeispiel zeigt. Vor Kurzem hat Leonteq zwei Barriere Reverse Convertibles auf den US-amerikanischen Mineralölkonzern Valero Energy emittiert: das eine Produkt in US-Dollar ohne Währungsabsicherung (Symbol: LTAEGQ), das andere in Schweizer Franken samt USD/CHF-Quanto-Mechanismus (Symbol: LTAEGO). Bei ansonsten identischen Ausstattungsmerkmalen (wie gleiche Barriere und gleiche Laufzeit), lag der Unterschied in der Höhe des Coupons. Beim nicht währungsgesicherten Produkt beläuft er sich auf 14.00% p.a., beim Quanto-Produkt auf 10.00% p.a. Dieser Unterschied in Höhe von vier Prozentpunkten rührt in erster Linie von der Zinsdifferenz zwischen der Schweiz und den USA her, kann aber auch eine Kostenkomponente für die Quanto-Absicherung enthalten.
Die Kosten der Absicherung
Die Quanto-Absicherung verursacht Kosten, da der Emittent zur eigenen Absicherung entsprechende Gegengeschäfte tätigen muss. Generell lassen sich diese Kosten im Basispunktebereich einordnen, sodass sie überschaubar sind. Ihre Höhe wird insbesondere durch die Volatilität des Basiswerts (je höher, desto teurer), die Volatilität des Wechselkurses (je höher, desto teurer) sowie durch die Korrelation zwischen Basiswert und Wechselkurs bestimmt (vereinfacht: je geringer die Korrelation, desto günstiger der Hedge). Eine Verrechnung der Kosten kann nicht nur über den Coupon, sondern auch über den Fair Value des Produkts oder eine Mischung aus beiden erfolgen.
Übrigens: Kommt es bei einem Barrier Reverse Convertible auf Aktien zu einem Barriereereignis, dann erfolgt die Rückzahlung bekanntlich durch Lieferung von Aktien des Basiswerts entsprechend der Conversion Ratio. Bei Aktien auf Fremdwährungen hat der Anleger in diesem Fall jedoch wieder eine Position mit Währungsrisiko im Portfolio. Ein letzter Punkt: Eine Absicherung ist nur sinnvoll, wenn der Anleger Wechselkursverluste partout ausschliessen will. Wer dagegen mit einer Abwertung der Heimatwährung gegenüber der Währung des Basiswerts rechnet, kann möglicherweise auf Quanto verzichten. Denn sollte das erwartete Wechselkursszenario eintreten, wird die Renditechance des Produkts durch Wechselkursgewinne weiter erhöht.