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payoff Learning Curve

Was Währungen wirklich bewegt

09.09.2026 5 Min.
  • Christian Ingerl
    Redaktor

Wechselkurse scheinen mitunter unberechenbar, doch hinter ihren Schwankungen steckt ein komplexes Zusammenspiel aus Wirtschaftsdaten und Marktstimmung. Wer die entscheidenden Faktoren kennt, kann Währungsentwicklungen besser einschätzen und Risiken gezielter steuern.

Wechselkurse legen das Tauschverhältnis zwischen zwei Währungen fest, beispielsweise dem Schweizer Franken und dem US-Dollar oder dem Euro. Sie sind ein fundamentales Bindeglied im globalen Handel und ermöglichen einen reibungslosen Austausch an den internationalen Finanzmärkten. Freie Wechselkurse entstehen grundsätzlich durch das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage auf dem Devisenmarkt. Übrigens: Mit einem täglichen Handelsvolumen von USD 9,6 Billionen ist der Forex-Markt (kurz für «Foreign Exchange») der mit Abstand grösste Finanzmarkt der Welt. Auf Angebot und Nachfrage wirken jedoch mehrere Faktoren, die nicht immer einfach zu durchschauen sind. Gleichwohl sollten Anleger die Zusammenhänge grundsätzlich kennen. Immerhin entscheidet die Währungsentwicklung oft über den Erfolg oder Misserfolg von Anlagen in fremden Währungen, wie beispielsweise US-Aktien. Ausserdem gibt es zahlreiche Produkte, deren Rendite direkt an die Entwicklung eines Währungspaares gebunden ist, zum Beispiel Hebelpapiere auf den USD/CHF-Kurs. Im Folgenden werden die wichtigsten Einflussgrössen auf den Wechselkurs beschrieben.

Zinsniveau und Geldpolitik

Höhere Zinsen machen eine Währung tendenziell attraktiver, da Anleger im betreffenden Land höhere Erträge erzielen können. Dadurch steigt die Nachfrage nach dieser Währung, was zu einer Aufwertung führen kann. Sinkende Zinsen in einem Währungsgebiet können hingegen zu einer Abwertung der entsprechenden Währung führen. In erster Linie entscheiden die Notenbanken über das Zinsniveau einer Volkswirtschaft. Deshalb reagieren Wechselkurse in der Regel häufig überdurchschnittlich stark auf Zinsentscheidungen – insbesondere, wenn diese überraschend erfolgen. Ebenfalls stark im Fokus der Marktakteure stehen Aussagen von hochrangigen Notenbankern zur weiteren Geldpolitik. Ein Beispiel: Eine Zinserhöhung kann am Devisenmarkt wirkungslos verpuffen, wenn der Zentralbankchef gleichzeitig andeutet, dass der Wendepunkt nun erreicht sei.

Achtung: Die Attraktivität einer Währung lässt sich nicht ausschliesslich anhand der Höhe der Zinsen beurteilen. Denn hohe Nominalzinsen bedeuten nicht automatisch rentable Anlagen. Ausschlaggebend sind die Realzinsen, also die Nominalzinsen abzüglich der Inflationsrate. Die Inflation ist, wie gleich zu sehen sein wird, ein weiterer wichtiger Einflussfaktor für die Entwicklung von Währungen.

Inflation und Kaufkraft

Grundsätzlich gilt: Unter ansonsten gleichen Bedingungen ist eine höhere Inflation für die betreffende Währung ungünstig – und umgekehrt. Auf dieser Annahme basiert die Kaufkraftparitätentheorie. Demnach entwickelt sich der Wechselkurs langfristig so, dass Preisunterschiede zwischen den Ländern ausgeglichen werden. Steigen die Preise im Land A schneller als im Land B, verliert die Währung von A tendenziell an Kaufkraft und damit langfristig an Wert gegenüber der Währung von B. 

Ein Beispiel: In der Schweiz beträgt die Inflationsrate aktuell 0,4%. In den USA liegt sie derzeit bei 3,4%. Die Inflationsdifferenz beträgt demnach drei Prozentpunkte. Unter der Voraussetzung, dass alle anderen Faktoren unverändert bleiben, müsste der Franken gegenüber dem US-Dollar aufwerten. Dies würde so lange andauern, bis Schweizer Produkte relativ so teuer und US-Produkte relativ so günstig sind, dass die Nachfrage nach US-Dollar entsprechend zunimmt und wieder Kaufkraftparität besteht.

In der Praxis ist der Zusammenhang zwischen Kaufkraft und Inflation jedoch recht kompliziert. Ein wichtiger Zwischenfaktor ist nämlich auch hier die Geldpolitik. Steigt beispielsweise die Inflation, wird die Zentralbank die Zinsen vermutlich erhöhen. Höhere Zinsen können wiederum ausländisches Kapital anziehen, wodurch die Nachfrage nach dieser Währung steigt. In diesem Fall kann die Währung trotz der höheren Inflation sogar aufwerten.

Vertrauen in Staat und Wirtschaft

In der Regel stärken eine starke Konjunktur, solide Unternehmensgewinne und eine verantwortungsvolle Fiskalpolitik das Vertrauen in eine Währung. Steigende Staatsschulden, ausufernde Haushaltsdefizite und Zweifel an der Zahlungsfähigkeit eines Landes können die betreffende Währung hingegen belasten. Davon war in jüngerer Vergangenheit auch der US-Dollar betroffen. In Zeiten geopolitischer Krisen werden hingegen häufig Währungen gesucht, die als sichere Häfen gelten. Dazu gehört nach wie vor der US-Dollar, der trotz der zuvor beschriebenen Mängel als Weltleitwährung gilt. Eine Auswertung der Bank for International Settlements (BIS) zeigt, wie stark die US-Währung die globalen Devisenmärkte weiterhin dominiert. Demnach war der US-Dollar im vergangenen Jahr an 89,2% aller Transaktionen auf dem Forex-Markt beteiligt.

Weitere Faktoren

Eine weitere Bestimmungsgrösse, die für Bewegung am Devisenmarkt sorgen kann, ist der
internationale Handel. Zwar liegt der Anteil des Welthandels, also des Exports und Imports von Gütern und Dienstleistungen, am globalen Devisenmarkt lediglich zwischen 2% und 5%. Dennoch können Strafzölle, Handelsbeschränkungen oder Handelskriege die Exporte eines Landes schwächen und somit dessen Währung belasten. Nicht zu vergessen sind die Spekulanten. Durch diese Gruppe können starke kurzfristige Kursschwankungen entstehen, selbst wenn sich die wirtschaftliche Lage noch gar nicht verändert hat.

Fazit und Gesamturteil

Wechselkurse sind das Ergebnis komplexer Zusammenhänge aus wirtschaftlichen Fundamentaldaten, Kapitalbewegungen und Erwartungen. Kurzfristig können Erwartungen und Spekulationen dominieren, langfristig gewinnen jedoch die wirtschaftlichen Fundamentaldaten an Bedeutung. Eine sinnvolle Beurteilung sollte daher immer mehrere Faktoren gleichzeitig betrachten und insbesondere die Entwicklung im Vergleich zu den Handelspartnern berücksichtigen. 

Zum Abschluss noch eine Faustformel: Hohe Zinsen, geringe Inflation, eine starke Wirtschaft und politisches Vertrauen führen tendenziell zu einer stärkeren Währung. Allerdings ist diese Regel nur zur Orientierung geeignet und stellt keine feste Gesetzmässigkeit dar.

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