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USD/JYP: Wende mit politischer Rückendeckung
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Christian Ingerl
Redaktor
Mit vereinten Kräften haben Japan und die USA die Yen-Talfahrt vorerst gestoppt. Nun entscheidet kurzfristig der Test der 200-Tage-Linie, ob sich die Erholung fortsetzt oder der Greenback schon bald wieder die Oberhand gewinnt.
Am Devisenmarkt haben Tokio und Washington jüngst ein unmissverständliches Signal gesetzt: Die jahrelange Talfahrt des Yen soll nicht länger tatenlos hingenommen werden. Japan und die USA bestätigten eine koordinierte Yen-Kaufintervention, die erste gemeinsame Aktion dieser Art seit 2011. Die Wirkung fiel entsprechend deutlich aus. Nachdem der US-Dollar Ende Juli noch bis in die Nähe von JPY 164 und damit auf den höchsten Stand seit rund 40 Jahren gestiegen war, sackte USD/JPY innerhalb weniger Handelstage zeitweise bis auf JPY 155.20 ab.
Kaufrausch
Formal wurde die Intervention vom japanischen Finanzministerium gemeinsam mit den US-Pendant durchgeführt. Die Bank of Japan (BoJ) spielt dennoch eine zentrale Rolle: Sie setzt die Geschäfte im Auftrag der Regierung um und liefert über ihre Bilanzdaten Hinweise auf das Volumen. Demnach könnte Japan noch vor der am Freitag bestätigten gemeinsamen Intervention mit den USA möglicherweise Yen im Wert von bis zu USD 58.97 Mrd. gekauft hat. Zugleich stellten beide Länder weitere koordinierte Eingriffe in Aussicht. Diese Drohkulisse beschleunigte die Auflösung umfangreicher Spekulationen auf einen schwächeren Yen und verstärkte die Bewegung zusätzlich.
Die Gründe für das Eingreifen sind leicht verständlich: Der schwache Yen verteuert Energie, Rohstoffe und andere Importe. Dies heizt die Inflation an, belastet die Kaufkraft der Haushalte und erhöht den politischen Druck auf die Regierung. Zudem hatten die starken Kursverluste des Yen und japanischer Staatsanleihen das Risiko grösserer Verwerfungen an den internationalen Kapitalmärkten erhöht. Steigende Renditen japanischer Anleihen können Kapitalströme aus den USA zurück nach Japan lenken und dadurch zusätzlichen Aufwärtsdruck auf die Renditen von US-Staatsanleihen ausüben. Daher hat auch Washington ein Interesse an geordneten Verhältnissen. Ein extrem günstiger Yen verbessert die preisliche Wettbewerbsfähigkeit japanischer Exporteure und kann einen Teil der von den USA verhängten Zölle neutralisieren. Gleichzeitig soll verhindert werden, dass Japan zur Finanzierung weiterer Interventionen grosse Bestände an US-Staatsanleihen verkauft. Das Land ist mit Beständen von USD 1.14 Bio. der grösste ausländische Gläubiger der USA.
Zinsen im Blick
Die Intervention allein beseitigt allerdings nicht die strukturellen Ursachen der Yen-Schwäche. Entscheidend bleibt vor allem das Zinsgefälle zwischen Japan und den USA. Die BoJ hat ihre Geldpolitik zwar schrittweise gestrafft und den Leitzins im Juni auf ein 31-Jahres-Hoch von einem Prozent angehoben. Im internationalen Vergleich bleibt das Zinsniveau aber niedrig. Dadurch war es für Investoren weiterhin attraktiv, sich günstig in Yen zu finanzieren und das Kapital in höher verzinste Anlagen umzuschichten.
Nun steigt allerdings die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Zinsschritts. Die BoJ liess zuletzt erkennen, dass bereits auf der Sitzung im September eine Anhebung möglich wäre. Am Anleihemarkt wird dieses Szenario zunehmend eingepreist: Die Rendite zweijähriger japanischer Staatsanleihen erreichte zeitweise den höchsten Stand seit 1995. Eine straffere Geldpolitik würde die Interventionen fundamental unterstützen und könnte verhindern, dass USD/JPY rasch wieder nach oben dreht. Allerdings gehen die Märkte aktuell auch davon aus, dass die Fed im September ebenfalls die Zinszügel anzieht. Damit bleibt die geldpolitische Lage weiter spannend.
An der 200-Tage-Linie
Charttechnisch hat sich das Bild mit der Intervention deutlich verändert. Der Dollar ist gegenüber dem Yen mit hoher Dynamik unter die steigende 100-Tage-Linie gefallen. Nun rückt die ebenfalls aufwärts gerichtete 200-Tage-Linie in den Mittelpunkt. Der im Chart erkennbare Durchschnitt verläuft ungefähr im Bereich von JPY 155 bis 156 und wird damit unmittelbar getestet. Hält diese Zone, könnte USD/JPY zunächst eine technische Gegenbewegung starten. Ein nachhaltiger Schlusskurs unter der 200-Tage-Linie würde dagegen für eine tiefere Korrektur sprechen. Dann käme mittelfristig auch das 52-Wochen-Tief bei JPY 145.50 wieder in den Blick.
Anlagelösungen
Die Kombination aus tatsächlichen Markteingriffen, der Drohung mit weiteren Interventionen und der Aussicht auf eine straffere BoJ-Politik spricht dafür, dass die Korrektur bei USD/JPY noch etwas andauern könnte. Wer darauf setzen möchte, dass die Yen-Schwäche vorerst beendet ist, kann mit dem Short Minuit Future MUSAJV der Bank Vontobel gehebelt auf eine Trendfortsetzung wetten. Das Produkt verfügt über einen Multiplikator von 14.7, der Knock-out liegt bei JPY 166.37 rund 5.7% vom aktuellen Niveau entfernt.
Dauerhaft gebrochen muss der übergeordnete Dollar-Aufwärtstrend jedoch noch nicht sein. Bleibt das Zinsgefälle gross oder verliert die Interventionsdrohung an Wirkung, ist eine Rückkehr steigender USD/JPY-Notierungen durchaus vorstellbar. Anleger können dieses Szenario mit Long-Derivaten spielen. Das Papier ACQTBP von BNP Paribas hebelt die Bewegungen des FX-Duos um den Faktor 10.1, das Stop-Loss-Level befindet sich bei JPY 144.7404 und damit 8.1% entfernt.
