Interviews
Effizienter hebeln: Warum ETFs jetzt im Fokus stehen
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Serge Nussbaumer
Chefredaktor
Herr Böhler, seit Mitte Mai bieten Sie Hebelprodukte auf ETFs an. Welchen Kundennutzen sprechen Sie damit an?
Der Markt bietet eine Vielzahl von ETFs, welche Investoren den Zugang zu verschiedenen Regionen oder Sektoren ermöglichen. Unsere Hebelprodukte auf diese ETFs ermöglicht Investoren diesen Zugang neu jetzt auch zu hebeln, wenn eine entsprechende Markterwartung und Risikofreudigkeit seitens Investor dies erlaubt. Zuvor war es nicht möglich gehebelt an der Wertentwicklung vieler Regionen oder Sektoren zu partizipieren. Jetzt können Investoren eine gehebelte Position auf dem MSCI World oder MSCI India, um zwei Beispiele zu erwähnen, sich in Ihr Portfolio legen.
Warum ein ETF als Basiswert und nicht gleich direkt den Index?
Indizes sind nicht immer gleich handelbar wie ein ETF. Wir reden hier nicht von einem SMI oder DAX Index. Einige unserer Hebelprodukt hebeln die Wertentwicklung von Indizes welche während unseren Handelszeiten geschlossen sind. Dank dem ETF als Basiswert können wir während Schweizer Handelszeiten Hebelprodukte auf diese Indizes offerieren. Weiter ist die Preisgestaltung transparenter für Schweizer Anleger da die Preise des Hebelproduktes die Wertentwicklung des hiesigen ETFs gehebelt repliziert. Somit kann ein Knock-Out auch nur während den hiesigen Handelszeiten geschehen. Diese Punkte führen zu einer transparenteren Preisgestaltung.
ETFs gibt es von verschiedenen Anbietern, nach welchen Kriterien erfolgt die Auswahl für eines Ihrer Hebelprodukte?
Zunächst geht es darum, ein spannendes Thema oder einen interessanten Index auszuwählen. Anschliessend vergleichen wir die Handelbarkeit, Liquidität und Kosten des Produkts. Wir versuchen zu antizipieren, welche Themen für unsere Investoren interessant sein könnten und wo ein Bedarf besteht, um entsprechende gehebelte Positionen einzunehmen.
Bei einem Produkt auf einen ETF kommt sehr schnell das Thema der höheren Kosten auf. Wie sieht das bei Ihren Hebelprodukten aus?
Eines der Kernmerkmale der ETFs, und ein wesentlicher Grund für ihren Erfolg, sind die von Natur aus sehr niedrigen Kosten, die oft nur wenige Basispunkte pro Jahr betragen. Diese Kosten werden vom ETF-Anbieter eingenommen und nicht vom Emittenten des Hebelproduktes. Somit sind dies keine zusätzlichen Einnahmequellen für uns. Diese Kosten werden von den Anlegern getragen. Es ist allerdings Marktstandard dass für Indizes oder sonstige passiv gemanagte Produkte Management Fees erhoben werden. Diese können oft höher ausfallen als die ETF Management Gebühren.
Ab 26. Mai 2025 gibt es Knock-out-Warrants auf den MSCI World ETF und den Russell 2000 ETF. Sind weitere ETFs als Underlying geplant?
Ja, aber ich möchte noch nicht die Katze aus dem Sack lassen. Wir hatten eine gute Nachfrage für die ersten Hebelprodukte auf ETFs, und wir arbeiten aktiv daran, unser Angebot zu erweitern. Anregungen von Anlegern sind stets willkommen, da sie unseren Job erheblich erleichtern.
Vielen Dank.
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Dominique Böhler
Head of Public Distribution Switzerland, Société Générale
Dominique Böhler begann seine Laufbahn im Bereich der Strukturierten Produkte im Jahr 2004 bei Dresdner Kleinwort. Er war dort für den öffentlichen Vertrieb von Strukturierten Produkten in Frankreich zuständig. 2009 wechselte er zur Commerzbank in der Schweiz, wo sein Verantwortungsbereich mit ETFs ergänzt wurde. Er ist Mitglied verschiedener Branchenverbände. Seit Januar 2020 ist er bei Société Générale tätig.