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Roche: Neue Fantasie in der Pipeline

10.06.2026 4 Min.
  • Christian Ingerl
    Redaktor

Der weltgrösste Krebsmittelhersteller meldet sich mit neuen Impulsen zurück: Daten aus dem Adipositas-Portfolio, ein Milliardendeal in der Krebsforschung und Fortschritte bei Tecentriq. Daraus ergeben sich Chancen, sowohl für Trader als auch konservative Naturen.

Anfang dieser Woche hat Roche seine Investoren zu einem virtuellen Update rund um die American Diabetes Association geladen. Beim „Roche’s Virtual ADA Investor Event“ stand ein Thema im Mittelpunkt, das an den Kapitalmärkten längst wieder zu den grossen Hoffnungsträgern der Pharmabranche zählt: Adipositas. Vorgestellt wurden neue Daten zu zwei Wirkstoffkandidaten, mit denen der Konzern im milliardenschweren Markt für Gewichtstherapien angreifen will. Im Fokus standen Enicepatide, früher als CT-388 bekannt, sowie Petrelintide, ein Amylin-Wirkstoff aus der Partnerschaft mit Zealand Pharma. Das Event war ein Signal an den Markt, dass die lange kritisch beäugte Pipeline wieder an Schlagkraft gewinnen könnte.

Hoffnungsvolle Daten…

Analysten gehen davon aus, dass vor allem Enicepatide sich als konkurrenzfähiger GLP1-Wirkstoff erweisen könnte. In den Phase-II-Daten zeigte sich bei der höchsten Dosis nach 48 Wochen ein Gewichtsverlust von 22.7%. Experten rechnen daher damit, dass die Substanz in Phase III sogar Werte von deutlich über 25% erreichen könnte. Gelingt dies, würde Roche im Bereich des Wirksamkeitsprofils etablierter Blockbuster wie Eli Lillys Zepbound vorstossen. 

…und aussichtsreiche Deals

Parallel dazu arbeitet Roche auch in der Onkologie an einer Stärkung der Pipeline. Für Aufmerksamkeit sorgte der jüngste milliardenschwere Deal mit Nurix Therapeutics. Roche sicherte sich eine exklusive Lizenz- und Kooperationsvereinbarung zur Entwicklung von Bexobrutideg, einem experimentellen Medikament gegen verschiedene Blutkrebserkrankungen. Das Volumen der Vereinbarung kann bis zu USD 2.3 Mrd. erreichen. Nurix erhält zunächst USD 700 Mio., während die weiteren Entwicklungskosten zu 40% von Nurix und zu 60% von Roche getragen werden. Die Phase-III-Studien sollen im Sommer starten. Für Roche ist der Schritt strategisch logisch: Der Konzern will seine starke Position in der Krebsmedizin nicht nur verteidigen, sondern durch neue Wirkmechanismen ausbauen.

Dass Roche in diesem Feld weiterhin operative Durchschlagskraft besitzt, zeigte sich bereits wenige Wochen zuvor. Die US-Gesundheitsbehörde FDA erteilte der Krebsimmuntherapie Tecentriq, auch bekannt als Atezolizumab, eine weitere Zulassung. Das Mittel darf in den USA nun ergänzend bei Patienten mit muskelinvasivem Blasenkrebs nach Entfernung der Harnblase eingesetzt werden. Für Tecentriq ist es bereits die elfte Indikation in den USA. Das ist nicht nur ein medizinischer Erfolg, sondern auch ein kommerzieller Stabilisator: 2025 erzielte Tecentriq einen Umsatz von satten CHF 3.6 Mrd.

Auch abseits der klassischen Arzneimittelforschung setzte der Konzern zuletzt Akzente. Mit dem geplanten Zukauf des US-Unternehmens PathAI für bis zu USD 1.05 Mrd. stärkt der Roche seine Diagnostik-Sparte. PathAI ist auf KI-gestützte Gewebeanalysen spezialisiert. Roche will damit Krebsdiagnosen präziser machen und die Entwicklung neuer Therapien beschleunigen. 

Robuster Jahresstart

Operativ präsentierte sich Roche zum Jahresauftakt robust: Im ersten Quartal lagen die Umsätze zwar leicht unter den Konsenserwartungen, allerdings war dies vor allem auf stärkere negative Währungseffekte zurückzuführen. Auf konstanter Wechselkursbasis wuchs der Konzernumsatz um sechs Prozent und lag damit sogar leicht über den Erwartungen der Analysten. Die Pharmasparte legte währungsbereinigt um sieben Prozent zu, Diagnostics um drei Prozent. Besonders wichtig: Roche bestätigte den Ausblick für 2026. Der Umsatz soll zu konstanten Wechselkursen im mittleren einstelligen Prozentbereich wachsen, der Kerngewinn je Aktie im hohen einstelligen Prozentbereich.

Anlagelösungen

Der Roche-Genussschein ist nach einem starken Lauf bis Ende Februar in eine Konsolidierungsphase übergegangen, die den SMI-Titel bis auf CHF 300 zurückführte. Doch die jüngsten Nachrichten zeigen, dass der Konzern operativ und strategisch wieder Fantasie bietet. Der Kurs hat sich zuletzt auch wieder Richtung Norden aufgemacht. Risikobereite Investoren können ein mögliches Comeback mit Long-Derivaten hebeln. Dazu bietet sich unter anderem der Long Mini Future BFWSPU der UBS an. Das Produkt verfügt über einen Hebel von 4.0. Der Knock-Out befindet sich bei CHF 243.4606 und folglich 24% vom aktuellen Kurs entfernt. Noch etwas mehr Spielraum auf der Unterseite gewährt der Mini Future MROAZT von der Leonteq. Der Stop-Loss-Level befindet sich bei CHF 224.7958, was im Umkehrschluss einen Abstand von knapp 30% bedeutet. Der Hebel beträgt 3.3.

Konservative Anleger können aber auch mit einem Bonus-Zertifikat auf eine Klettertour von Roche setzen. Das Produkt SAMXJB von Julius Bär stellt bei einer Seitwärtsbewegung eine Rendite von 8.70% in Aussicht. Steigt der Basiswertkurs über das Bonuslevel bei CHF 350 hinaus, nimmt das strukturierte Papier 1:1 an einem Anstieg teil. Die Seitwärtsrendite wird wiederum von einem Risikopuffer von einem Zehntel geschützt.

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